Grüner Kapitalismus

SOCIAL ENTREPRENEURSHIP VS. CAPITALISM


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Was war doch gleich mit der Umfrage?

Kommen wir zuletzt noch zur Auswertung der Umfrage, die wir Anfang des Jahres geplant hatten.

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Wir wollten eine Umfrage machen, bei der man nicht lange überlegen muss, was man ankreuzt, sondern sich für die Antwort aus dem Bauch heraus entscheidet.

Spielen macht den meisten Spaß, deshalb haben wir uns für zwei sehr bekannte Spiele entschieden um eine Tendenz in Erfahrung zu bringen.

Monopoly ist das kapitalistischste Spiel, was ich kenne. [1] Nur wer am meisten Geldanlagen in Form von Häusern hat, bekommt noch mehr Geld. Zum Schluss gibt es dabei einen Gewinner.

Als Gegensatz dazu hatten wir uns ein Gesellschaftsspiel, was man in einem Team spielt, überlegt: Activity. Man muss zusammen arbeiten um gemeinsam etwas zu schaffen. Alle im Team sind gleichberechtigt und man benötigt jeden einzelnen um als ganzes Team zu gewinnen.

Kopf oder Zahl erinnert an eine Münze, aber auch hier stellt sich doppeldeutig die Frage: Denkt man über seine Handlungen nach und entscheidet mit dem Kopf oder sind einem am Ende nur die Zahlen wichtig?

Und am Ende wohl die bekannteste Frage: Glück oder Geld? Auch hier erkennt man, was einem wichtiger ist. Klar ist Glück Definitionssache, jeder hat eine andere Meinung bzw. Auffassung dazu, wann man glücklich ist oder zu sein scheint.  Der Duden definiert Glück als „angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“.[2] Man weiß deshalb auch, dass Geld allein nicht glücklich macht. Wenn man Glück wählt, hat man ja quasi ausreichend Geld, um sich alles leisten, materiell oder auch auf all möglichen anderen Ebenen, zu können, was man möchte.

Die Umfrage haben wir einerseits im A&O Hotel and Hostel an der Rezeption und andererseits bei GuitarDoc Werkstatt & Laden durchgeführt. Somit hatten wir ein breitgefächertes Publikum zwischen 16 und 67 Jahren.

Von diesen insgesamt 69 Befragten entschieden sich 2/3 mit 45 Stimmen für Monopoly und nur ein Drittel für Activity. Aber auch für Kopf entschieden sich 2/3 der Befragten, statt für Zahl. Aber am deutlichsten wird klar, in was für einer Gesellschaft wir leben, wenn sie sich mit 77% für Glück gegen Geld entscheiden. Wir sind auf dem richtigen Weg…

Man kann dadurch sagen, dass der Kapitalismus gerne anhand von Monopoly gespielt wird, man sich aber im wahren Leben schon eher für das Glück entscheidet und mit dem Köpfchen denkt und so seine Entscheidungen trifft.

Aus den unterschiedlichen Altersklassen konnte man keinerlei Unterschiede zur Einstellung erkennen.

Es gibt heutzutage auch schon eine Monopoly-Variante, die dagegen wirkt: Anti-Monopoly.[3]

Und auch gibt es eine Idee, das eigentliche Monopoly zeitgemäßer bzw. besser anzupassen: [4]


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Ich interessiere mich schon seit längerer Zeit für soziales Unternehmertum. Besonders der Frage, ob wirtschaften auch im Sinne des Gemeinwohls möglich ist, wollte ich nachgehen. Hier in Berlin,  die Hauptstadt der Start-ups, gibt es viele Möglichkeiten Eindrücke zu gewinnen. In 2011 war ich auf dem Entrepreneurship summit, der auch mit ausschlaggebend war, für meine Entscheidung Unternehmensgründung zu studieren. Dort habe ich mit jungen Gründern gesprochen und mir ist aufgefallen, dass für sie Profit eine Nebenrolle spielt. Sie brannten für ihre Idee und waren stolz darauf, mit ihrem sozialen Konzept etwas zu verbessern.

Auf dem Kongress wurde auch eine Zeitschrift ausgestellt, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt. „Enorm Wirtschaft für den Menschen“. Wer Interesse hat, dem kann ich sie wirklich empfehlen, bei mir flattert sie schon alle zwei Monate in den Briefkasten.

Diesen Blog zu bearbeiten ist für mich eine schöne Möglichkeit, auch außerhalb meiner Freizeit, tiefer in dieses Thema einzusteigen.
 Besonders die Erfahrung mit dem Interview, hat mich auf die Idee gebracht, öfter die Menchen direkt zu kontaktieren, die mich interessieren. Diese Gespräche inspirieren mich meist mehr, als ein Artikel in der Zeitung.


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Nachhaltigkeitsberichte, sachliche Informationsquellen oder PR-Instrument?

Wir leben in einer Welt, überschwemmt  von Produkten und Dienstleistungen, in der der Kunde die Qual der Wahl hat. Und tatsächlich so fühle ich mich oft, selbst wenn ich nur etwas Unbedeutendes kaufe,  wie einen Apfelsaft. War der  Saft nicht in dem anderen Geschäft billiger? Sollte ich nicht besser Bio-Saft trinken, wegen der Pestizide? Und als Schlecker noch existierte: Bloß nicht da kaufen, die gehen doch so schlecht mit den Mitarbeitern um!

Ihr könnt Euch vorstellen was da bei mir los wäre, wenn ich mir ein Auto kaufen würde!

Wie viel einfacher haben es da die Kunden, die sich nur die Frage um den Preis stellen?!

Manche machen sich auch einfach keine Gedanken: sie wünschen sich ein bestimmtes Produkt, sie finden es und sie kaufen es.

Als Kunde und auch als Investor trägt man Verantwortung und deshalb gibt es viele, ich würde behaupten es werden immer mehr, die sich Gedanken machen und Fragen stellen:

Wie steht es mit dem ethischen und ökologischen Handeln in dem Unternehmen?

Wir suchen also nach Informationen. Doch da unsere Zeit begrenzt ist, sind wir froh über jeden Hinweis. Das wissen auch die Unternehmen und sind eifrig damit beschäftigt uns diese Informationen zu geben.

Die Unternehmen sammeln Daten für ihre Nachhaltigkeitsberichte, die sie von spezialisierten Unternehmensberatungen und innerbetrieblichen Projektteams anfertigen lassen.

Heraus kommen Umweltschutzberichte zertifiziert nach“ Iso 14001“ oder noch besser nach“ Emas“( Eco-Management and Audit Scheme), sowie CSR- Berichte ( Corporate Social Responsibility).

Emas und Iso 14001 überprüfen durch unabhängige Gutachter die Umweltleistung eines Unternehmens, sowie die Einhaltung neuer Ziele der Umweltpolitik. (http://www.emas.de/)

CSR- Berichte informieren darüber hinaus über die ökonomische und soziale Verantwortung der Unternehmen. Doch was in den Berichten steht, bleibt den Unternehmen selbst überlassen. Einheitliche Richtlinien zur Vergleichbarkeit und Transparenz werden zwar gefordert, sind aber noch nicht die Regel.

Die Globel Reporting Initiative (GRI) wurde 1997 gegründet und hilft mit GRI- Leitfäden „Nachhaltigkeits- und CSR-Berichte von Organisationen aller Branchen zu verbessern und vergleichbarer zu machen.“( http://www.csr-in-deutschland.de/ueber-csr/leitsaetze-und-instrumente/weitere-instrumente.html)

Einige richten sich schon nach den GRI- Leitfäden. Wer alle 120 vorgegebenen Indikatoren berücksichtigt und einen unabhängigen Prüfer heranzieht bekommt das höchste Level A+.

Trotzdem sollte man kritisch bleiben. Greenpeace kritisierte zum Beispiel den Lebensmittelverband Rewe, der ausgewählte Auszüge aus seinem Bericht in Form einer Tragetasche geschickt unter die Leute brachte. Wenn das kein guter PR- Trick war! („Enorm“, Nummer 4 2012) Im Grunde nutzen alle Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsberichte um sich ökologisch und sozial verantwortlich darzustellen. Was durchaus legitim ist, solange die tatsächliche Leistung mit den veröffentlichten Berichten übereinstimmt. Werden jedoch Halbwahrheiten und Übertreibungen mit viel PR-Aufwand verbreitet spricht man zu Recht von „dekorativem Greenwashing“(Enorm, s.o.) Um dieses Problem einzudämmen setzen Ratingagenturen die großen Unternehmen zusätzlich unter Druck. Wer dabei schlechte Kritik bekommt riskiert fallende Kurse.

Auf der Online- Plattform Corporate-Register.com  werden Nachhaltigkeitsberichte aus aller Welt gesammelt. Die meisten kommen aus Australien, Deutschland ist auf Platz 9, den Schluss bildet die USA mit dem 20. Platz. Aber die Frage ist wer hat Interesse so viele Berichte zu lesen? Die Verbraucher wohl kaum. Die meisten werden nur von Fachleuten gelesen.

Ein CSR-Bericht ist also kein Garant dafür, dass dieses Unternehmen auch wirklich sozial und ökologisch wirtschaftet. Es ist also ratsam, die Informationen vorsichtig zu bewerten, insbesondere nicht über zu bewerten. Denn das ist häufig die Gefahr. Wenn man hört, VW ist schon seit 10 Jahren Emas zertifiziert und veröffentlicht positive CSR-Berichte, ist man da nicht schnell geneigt diese kurze undifferenzierte Information abzuspeichern und sich dann gegebenenfalls für ein VW Produkt zu entscheiden?

Wer nachhaltig konsumieren möchte, sollte sich der Manipulationstechniken der Wirtschaft bewusst sein, genug Zeit aufbringen um zu recherchieren, um dann das „richtige“ Produkt auszuwählen.


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Die Verantwortung der Unternehmer

Tragen Unternehmer Verantwortung? Natürlich! Für sich selbst, für ihre Familie, für die Firma, für die Angestellten. Das ist viel Verantwortung, aber ist das alles?

Ein Unternehmer muss auch Verantwortung gegenüber seinen Kunden übernehmen und selbstverständlich gegenüber der Umwelt. In dem Buch „Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers„ von Reinhard Mohn wir dargestellt, dass Unternehmer in der Regel lieber Firmen als gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Wenn ein Unternehmer ein Produkt entwickelt, muss er sicherstellen, dass das Produkt die Gesundheit der Konsumenten kurz- und langfristig nicht beeinträchtigt. Das Produkt kann ohne jegliche Tests an den Endverbraucher geleitet werden, welcher dann als Testkaninchen fungiert und die günstigste Variante ist. Als unabhängige Institution zur Prüfung der technischen Sicherheit von Produkten gibt es den TÜF (Technischer Überwachungsverein), der nach gesetzlichen Vorgaben oder Auftrag der Unternehmen arbeitet. Hier wird ein Teil der Verantwortung abgeben und ein Teil vom Unternehmer getragen. Aber was passiert, wenn ein Produkt nicht von einer unabhängigen Instanz getestet wird? Ein Produkt, welches ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen kann, wie etwa ein Medikament.
Die Pharmaindustrie testet ihre Medikamente in eigenen Testlaboren. Liest man also in der Packungsbeilage, dass die Pille getestet wurde, hat der Hersteller sie selbst getestet. Was war das Ziel des kapitalistischen Unternehmers? Mit einem geringen Aufwand, viel Geld zu verdienen. Interessant ist auch die Masse an Medikamenten am Markt, welche keinen Wirkstoff beinhalten (Placebo), von Ärzten aber verschieben werden, weil diese Ärzte am Gewinn beteiligt werden. Das hat nichts mit Verantwortung gegenüber dem Endverbraucher und der Gesellschaft zu tun! Das ist absolut unmoralisch, kapitalistisch und unsozial.

Weiter geht es in der Lebensmittelindustrie. Auch hier wird bei Produkten nicht auf deren eventuelle Nebenwirkungen und auf Schäden für die Gesundheit hingewiesen. Auf jeder Zigarettenschachtel steht ein Spruch, der sich darum dreht, dass rauchen zu Krebs verursacht. Auf einer 500g Rindfleisch-Packung steht aber nicht drauf, dass der übermäßige Konsum zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt führt. Auf einem Eisbein ist kein Hinweis im Bezug auf Diabetes. In den USA ist es bereits verboten (in Deutschland noch nicht) für Milch damit zu werben, dass sie gut für Knochen ist wegen des ganzen Kalciums. Milch enthält so viele Aminosäuren, dass dem Knochen genauso viel Kalcium wieder entzieht wie aufgenommen wurde (http://www.vegpool.de/magazin/milch-calcium.html). Hier wird keine Verantwortung gegenüber dem Verbraucher übernommen. Hier geht es darum Geld zu verdienen. Und immerhin ist Deutschland bereits Fleischexportmeister, weil es so billig ist. Jedes 5. Schwein wird bereits Exportiert (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/konsum-waechst-deutscher-fleischexport-mehr-als-verdoppelt/6099556.html). Weibliche Küken werden groß gezogen um Eier zu produzieren und was passiert mit den männlichen? Schreddern, färben, pressen, panieren – Fertig! Chicken-McNuggets. Wie viele dürfen es sein 6, 9 oder 12? Im Menü mit einem Cheeseburger, dessen Fleischpattie zu ca. 15% aus Holzmehl besteht? Mahlzeit!

Mehr zum Thema Inhaltsstoffe und Ernährung: Die Ernährungslüge: Wie uns die Lebensmittelindustrie um den Verstand bringt von Hans-Ulrich Grimm von Knaur TB

Mehr zum Thema Verantwortung gegenüber unseren Liebsten: Katzen würden Mäuse kaufen: Schwarzbuch Tierfutter von Hans-Ulrich Grimm von Heyne Verlag

Natürlich wird es auch Gegenbeispiele geben. Unternehmer die Verantwortung für ihre Produkte, für die Umwelt und vor allem Verantwortung gegenüber den Verbrauchen tragen. Man wird nur darauf nicht so aufmerksam, wie auf Negativbeispiele.

Wolfgang Grupp, alleiniger Geschäftsführer und Inhaber der TRIGEMA GmbH & Co. KG, Deutschlands grösstem T-Shirt- und Tennisbekleidungshersteller, stellt in einem Interview die Verantwortung des Unternehmers im Bezug auf seine Mitarbeiter sehr schön dar:

Viele Unternehmen stellen ihre Verantwortung im Bezug auf die Umwelt öffentlich in Umweltgrundsätzen auf deren Internetauftritten öffentlich und transparent dar (z.B. SPHEROS EUROPE http://www.spheros.de/Unternehmen/Ueber-uns/Oekologische-Verantwortung.html)

Viele Namen hat das süße Spiel der Liebe, zwei Seiten hat die Medalie, Außen Hui innen Pfui…


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Interview mit Hannes Koch

Am Freitag den 11.01.13 haben wir uns mit dem Journalist und Buchautor Hannes Koch im Haus des Bundespresseamts getroffen, um ihn zu seinem Buch „soziale Kapitalisten“ zu interviewn:

Herr Koch wie sind sie auf das Thema soziale Kapitalisten gestoßen und was brachte sie zu der Idee darüber ein Buch zu schreiben?

Es hat einen langen biographischen Hintergrund. Meine journalistische Laufbahn habe ich vor ziemlich langer Zeit bei der Taz begonnen, die ca. vor 32 Jahren gegründet wurde und als radikale linke Zeitung startete. Das war also mein politisches Umfeld aus dem ich gekommen bin. Ich war mit Menschen zusammen, die an den bestehenden Verhältnissen was ändern wollten.
Als junger Journalist habe ich bei der Taz angefangen Wirtschaftsberichterstattung zu machen und meine Kollegin und ich haben uns ständig Gedanken darüber gemacht, ob das mit der Wirtschaft und der Gerechtigkeit so richtig läuft und ob wir da was ändern können. Mich hat dann interessiert, ob Unternehmen auch selbst was ändern können, wenn sie denn wollen und ob es da Unterschiede gibt zwischen den Kapitalisten. Oder ob es in der bestehenden Gesellschaftsordnung nur schlechte Unternehmen geben kann. Also welchen Handlungsspielraum man als Manager hat.

Ihr Buch wurde 2007 veröffentlicht, gab es zu der Zeit denn schon viele, die sich aktiv mit diesem Thema beschäftigten?

Nein, das war noch nicht so präsent. Ich habe gesehen, das dieses Thema ein interessantes ist, bei dem man als Journalist womöglich Ruhm und Ehre erlangen kann, weil es quasi ein neues Thema war, wo noch viel Bewegung drin steckte.

Und was konnten sie herausfinden, welche Unterschiede gibt es bei den Kapitalisten? Wie sieht ihr Handlungsspielraum aus und welche Grenzen haben sie?

Natürlich gibt es Grenzen, aber jede Art von Unternehmen, in jeder Branche und in jeder Größe, hat die Möglichkeit höhere ethische Maßstäbe anzulegen und die Unternehmenspolitik so zu gestalten, dass sie für Kunden, Beschäftigte, Umwelt und für die Gesellschaft allgemein sozial verträglich ist.

Und wo sind die Grenzen?

Natürlich gibt es in unserer Wirtschaftsordnung Grenzen, nämlich die Rentabilität. Unternehmen haben im Grunde zwei Zwecke im Wesentlichen: Gute Produkte zu verkaufen, Nachfrage zu befriedigen und der zweite Antrieb ist Gewinn zu machen für die Besitzer oder Aktionäre. Und soziale Verantwortung kostet Geld, sie ist ja nicht umsonst. Insofern gibt es immer einen Zielkonflikt zwischen „Gut“ und Geld, also zwischen gutem Gewissen und Gewinn. Wenn Apple z.B. den Arbeitern in Asien doppelt so viel bezahlt, dann sinkt sie Gewinnmage, oder die Preise steigen.

Warum entscheiden sich die Unternehmer denn dann überhaupt sozialer zu werden?

Ja, es gibt verschiedene Motivationen. Zum einen das schlechte Gewissen. Sie möchten gerne in den Spiegel gucken und sich nicht selber vorwerfen müssen etwas Schlechtes zu tun. Auch gegenüber ihren Kindern und ihrer Familie möchten sie gut dastehen. Dann reagieren Unternehmen natürlich immer auf Wünsche, Bedürfnisse und auf den Druck ihrer Umgebung. Wenn also z.B. Gewerkschaften oder Bürgerinitiativen das Unternehmen in einer Art angreifen, dass es dem Image schadet, handeln und verändern sie oft etwas. Kapitalisten existieren ja nicht in einem luftleeren Raum, sie haben zwar Macht haben Einfluss, aber sie reagieren auch auf Einfluss. Wenn andere Leute ihren Finger in ihre Wunde legen empfinden sie auch Schmerz. Denn ohne Absatz ihrer Produkte, können sie nicht weiter existieren, dort ist ihre empfindliche Stelle.
Als dritten Punkt gibt es die betriebswirtschaftliche Überlegung, dass bestimmte Kunden auch gute Produkte haben möchten. Solaranlagen und Ökostrom z.B.. Immer mehr Menschen ist es wichtig ihren Strom aus umweltfreundlichen Quellen zu beziehen und entscheiden sich bewusst gegen Anbieter wie Eon oder Wattenfall. Dafür sind sie meist auch bereit mehr zu zahlen.

Sie haben mit einem Kollegen 2008 „ die Korrespondenten“ gegründet, sind Journalist und Buchautor. Würden sie sich selbst als „sozialen Kapitalisten“ sehen?

Wir sind ganz normale Journalisten, immer bemüht gute Artikel zu schreiben, zu berichten, aufzuklären und vielleicht auch dadurch die Welt ein bisschen zu verbessern. Wenn man das als sozial bezeichnen kann ist das gut, ansonsten sind wir nicht besonders toll. Nun gibt es ja auch soziale Unternehmer, die anders handeln, als soziale Kapitalisten. Sie setzen nicht auf Gewinnmaximierung und Marktanteile, führen ihr Unternehmen dennoch profitabel und sichern sich ihre Existenz.

Vielen Dank Herr Koch!


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Von rot nach grün. Von schlecht zu gut. Von kapitalistisch zu sozial.

Wie ist das möglich. Das ist die Frage.

Stellen wir uns vor, ein Kapitalist möchte sich ändern und überlegt, sozialer zu werden.

Ist das überhaupt möglich? Ja, ist es.

Aber, wie macht man das?

Eine allgemeine Lösung gibt es nicht. Es ist immer auch eine Frage des kapitalistischen Individuums. Es kommt auf die bereits vorhandenen Strukturen an. Darauf, ob noch ein Kinderraum für die vielen Mütter mit Kleinkindern eingerichtet werden muss, oder ob schon auf solche zurückgegriffen werden kann. Es ist eine Frage der Zeit. Inwieweit ein solches Denken bei den Unternehmensleitungen bereits eingesetzt hat oder dort erst noch reifen muss. Zeit ist ein entscheidender Faktor. Alle wissen, von „heute auf Morgen“ geht so eine grundlegende Neuausrichtung nicht. Inwieweit diese auch als Neuausrichtung, oder eher vielmehr als Weiterentwicklung gesehen wird, ist von entscheidender Bedeutung. Wenn man sehr weit ginge, könnte man „seinem“ Unternehmen ein „Social-Entrepreneur-Gütesiegel“ verpassen.

Damit ließe sich dann der ursprüngliche Verlust der wirtschaftlichen Dynamik aufgrund „sozialer Fesseln“ überwinden. Diese Fesseln wären z.B. Festangestellte, die bei einer vorübergehenden „Flaute“ gerne mal in Teilzeitarbeit geschickt werden (unbezahlte Überstunden natürlich vorausgesetzt, die Arbeit muss doch geschafft werden…)

Eine weitere Möglichkeit bestünde, die Geschäftsführer mit einem eigens geschaffenen „Social Entrepreneur Beauftragten“ zu entlasten. Mit festgelegtem Budget wird hier das Unternehmen an den entscheidenden Stellen sozialer. Dabei ist es wichtig einen „Internen“ damit zu beauftragen, der die vorhandenen Strukturen bereits gut kennt und weiß wo er ansetzen muss. Fremdberatung hat demgegenüber den Nachteil des Einarbeitens, kommt aber mit unersetzlichen fachlichen Know How daher.

Die Frage „Wie kann man dem Kapitalismus seine Dynamik entlocken und gute Arbeit und Wohlstand für alle erreichen?1“ ist nach wie vor eine der wichtigsten Fragen heutzutage. Jeder möchte persönlichen Wohlstand. Dennoch sollte der Stand des eigenen Wohlstandes nicht zu sehr von der, der Allgemeinheit abweichen. Sonst kommt es leicht zu Missgunst. Um diese wieder auszugleichen ist eine soziale Komponente bei vielen Unternehmen durchaus willkommen.

Diese ist aber, wie oben beschrieben, nicht umsonst. Will man den Preis dafür nicht zahlen, läuft man leicht Gefahr mit seinem Image auf die schlechte, rote, Seite des Kapitalismus zu rutschen. Dort sind, in unserem Sinne des roten Kapitalismus,die Lebensverhältnisse- und Risiken der Menschen egal. Genauer die der eigenen Arbeiter. Als Beispiel wäre hier die jüngst bekanntgewordenen Bedingungen zu nennen, unter denen asiatische Arbeiter hochtechnologische Tablets o.ä. erstellen.

Im Gegensatz dazu steht Grüner Kapitalismus für Fairness, Verhältnismäßigkeit und gegenseitigen Respekt. Dem Arbeitnehmer wird ein gutes Umfeld geschaffen, in der er sich wohlfühlt. So kann er viel produktiver arbeiten ohne das Gefühl zu haben, überhaupt zu arbeiten.

1 „Der gute Kapitalismus“, 1. Aufl. 2009, Transcript-Verlag


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Social Entrepreneurchip, eine goldene Mitte?

Zuerst fragt man sich,  was ist das für eine neue Spezies, diese „Social Entrepreneure“, was macht sie aus? Sie sind keine Kapitalisten und auch keine Non-Profit-Organisatoren. Es sind Menschen, die Probleme in Chancen verwandeln, die etwas verändern wollen.Sie reagieren auf das Marktversagen mit transformativen Innovationen und setzen sie mit dem Gedanken der finanziellen Nachhaltigkeit um. So überwinden sie die Kluft zwischen der Wirtschaft und dem öffentlichen Sektor( dritter Sektor)(www.labforculture.org/). Es ist keine Frage: Organisationen wie die Caritas, andere Stiftungen und staatliche Einrichtungen bewirken viel Gutes in der Gesellschaft, doch ihre Wirkung reicht nicht aus um den sozialen Wandel voranzubringen. Ihre Mission wird geschwächt durch ihre bürokratische Organisation, die politische Abhängigkeit und ihre Stellung abseits vom Markt.Wer also sonst hat die Fähigkeit und den Willen den positiven Wandel herbeizuführen? Von den Kapitalisten können wir das nicht erwarten! Es sind die vielen kleinen sozialen Unternehmen, die gegründet werden aus einer ganz bestimmten Vision heraus, und es werden immer mehr!Alle sozialen Unternehmer haben eine Vision. Profit als Motivation reicht ihnen nicht, sie streben nach Verbesserung, nicht eigennützige, sondern Gesellschaftliche. Sie siedeln sich dort an, wo Kapitalisten keine ausreichenden Gewinne sehen, sie aber dennoch unternehmerisches Potenzial sehen und herausholen. Somit stehen sie im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Ein sozialer Unternehmer zeichnet sich meist durch besondere Widerstandsfähigkeit und Willensstärke aus, die ihm oft zum Erfolg verhelfen. Gehen wir davon aus: Jeder der etwas tut macht es aus irgendeiner Motivation heraus. Entscheidend für den Erfolg ist die Art und Stärke der Motivation. Untersucht man die Unternehmer und Organisationen auf ihre Motivation, stellt man folgendes fest:

1. Motivation der Non-profit-Organisationen: Missstände beheben, helfen, verbessern, erhalten
2. Motivation der social Entrepreneurs: 1. selbst Gesellschaft verändern, verbessern
2. mit Sinn und Glück sein Leben erfüllen
3. eigene Existenz und die von anderen sichern
3. Motivation der social business: 1. selbst Gesellschaft verändern, verbessern
2. Existenz sichern
3. Gewinne erzielen um mehr zu verändern, verbessern
4. Motivation der social verantwortlichen Unternehmen: 1. Profit machen für sich und andere Investoren
2. sociale Verantwortung übernehmen
( nachweißbar durch CSR- Berichte (corporate social responsibility))
5. Wirtschaftsunternehmen: 1. Profit und Macht

Entscheidend ist hierbei die Reihenfolge der Motivation.  Die alte Frage taucht auf: was ist wichtiger im Leben Glück oder Geld? Die social entrepreneurs beantworten für sich diese Frage: Glück! Jetzt gibt es noch eine zentrale Frage: Wie viel darf ein  social entrepreneur verdienen? Keiner würde einen sozialen Unternehmer rügen, wenn dieser  seine Grundlebenskosten von seinem selbst erwirtschafteten Geld finanziert. Doch wie hoch sollte dieses Gehalt ausfallen? Eine Richtschnur könnte man bei den Non-Profit-Organisationen vermuten, die nicht hauptsächlich, wie manche denken mögen, aus ehrenamtlichen Mitarbeitern bestehen, sondern natürlich Festangestellte haben, von der Sekretärin bis zum Manager. Ein Großteil der eingenommenen Gelder und Spenden, werden an die  Mitarbeiter als Gehalt ausgezahlt. Ein Vorstand darf in einem gemeinnützigen Verein ein angemessenes, ortsübliches Gehalt bekommen. Die Caritas rechtfertigt auf ihrer Seite das üppige Gehalt ihrer Manager mit der Aussage:
„Kompetente Führungskräfte sind ein knappes Gut!“
(www.caritas.de/neue-caritas/heftarchiv/jahrgang2008/artikel2008/wievieleinvorstandindercaritasverdienend)
Das heißt also, sie müssen sich dem Markt anpassen und konkurrieren mit den Kapitalisten über den Preis um die Manager. Daraus ergibt sich wieder der Unterschied zum social entrepreneur, der ja selbst Eigentümer des  Unternehmens ist und dessen Hauptmotivation nicht das Geld ist.  Er möchte sich auch nicht einfach sozial engagieren und sich dann auf einem ortsüblichen Gehalt ausruhen. Nein, er geht bewusst ein hohes Risiko ein, investiert oft sein eigenes Geld  und begibt sich auf neues Terrain. Dabei kann er als Manager nicht mit einem üppigen Gehalt rechnen. Wenn er wirtschaftlich Erfolg hat, nimmt er für sich nur so viel wie er für seinen selbst gesteckten Lebensstandard braucht, den Rest reinvestiert er in die Gesellschaft. Wenn man seine Motivationsreihenfolge im Kopf hat, kann man sich denken wie diese Aufteilung ausfällt.
Solche Unternehmer schaffen echte soziale Marktwirtschaft.  Sie müssen nicht vom Staat durch Gesetze gezwungen werden, damit sie von ihrem Gewinn Sozialabgaben leisten.  Sie machen, für sich gesehen, das übliche Modell, die durch Gesetze geregelte, bürokratische soziale Marktwirtschaft überflüssig.
Er lebt aus seiner eigenen Motivation heraus eine freie soziale Marktwirtschaft.
Daraus entsteht langsam aber stetig ein sozialer Wandel; aus der Gesellschaft heraus und Jeder kann mit machen!
Be a social entrepreneur!

Ananda v. O.